Die Natur der heutigen Kommunikation ist überwiegend visuell. Bilder als Kommunikationsmittel spielen eine dominierende Rolle in unseren täglichen Aktivitäten und sind besonders im Leben junger Menschen von Bedeutung.
Die heutige Jugend wurde in bildgesättigten Umgebungen, der Ära des Internets, digitaler Technologien und Touchscreens geboren. Ihre Kommunikationspraktiken sind visuell geprägt, einschließlich Foto- und Video, Videochats und der visuellen Sprache von Emoticons, GIFs und Emojis. 2009 konsumierten junge Menschen 6:21 h am Tag Medien, 2013 werden 7:38 h am Tag Bilder wahrgenommen, heute noch viel mehr, aber wenig davon verstanden.[1]
Doch sobald Schüler die Klassenzimmer der Sekundarstufe betreten, werden sie in eine fast völlig textliche Welt geworfen. Infolgedessen sind zeitgenössische Generationen, obwohl sie in der Regel technologisch versiert sind, oft visuelle Analphabeten. Trotz Unwissenheit verstärkt sich das Medium Bild mehr und mehr. Eine Elite von Wissenden verwendet diese Medien bewusst, während die große Mehrheit der Unwissenden ahnungslos damit umgehen. Unser Bildungsplan legt kaum Wert darauf, dies zu ändern.
Fast alle Menschen verfügen über Bild-Medien im Alltag und wenden diese an: dilettantisch, unreflektiert, gehaltlos
[1] Karl Heinz Bartling: Visuelle Kommunikation: die Macht der Bilder - Teil I - tn Blog (teamnext.de)
"Wir brauchen Bildung, die von Bild kommt !"
Besonders junge Menschen leben heute in einer ständigen Bildumgebung, aber in der Schule herrscht immer noch Textdominanz. Frustrierend produziert die Bildung visuelle Analphabeten, zukunftsfern, sinnesentleert. Wer unsere Welt verstehen will, muss ihre Bilder lesen. Bildlernen öffnet unsere Augen.
„In unserem Bildungssystem steht jedoch die Schulung des visuellen Denkens nicht auf dem Plan. Die mit dem Schulsystem eingeführte klassische Alphabetisierung (lesen, schreiben, rechnen) legt lediglich den Grundstein zum kognitiven Verständnis multimedialer Inhalte. Zwar hat die Schule mit der Medienpädagogik begonnen, auf die Macht des Visuellen zu reagieren, das Kernpotenzial von Bildern für eine nachhaltige bildende Erfahrung ist jedoch noch weitgehend ungenutzt.“[2]
In unseren Schulen lernen wir weder Bildsprache, noch visuell zu denken. Dadurch haben wir falsche Glaubenssätze über visuelles Denken: es hätte mit Kunst zu tun oder etwas müsse schön sein, es wäre nur etwas für ”Kreative” oder benötige ein besonderes Talent. Das kann u.a. zu Problemlösungs-Ineffizienz, fehlgeleiteter Kommunikation, schlechtem Erinnerungsvermögen
oder der Nutzung nur bestimmter Intelligenzarten führen.[3]
Und die alten Tugenden – Talent, die Fähigkeit, ein einzigartiges Bild zu gestalten, exzellentes Handwerk in der Produktion – sind scheinbar zu Teilchen in einem überdimensionierten Puzzle verkommen. Das hat die Rollenbilder in der (und rund um die) Bilderwelt ebenso dramatisch verändert – aber auch erweitert, vergrößert: Die Stars in der Kommunikation können heute auch Instagram- oder TikTok-Influencer sein, die, von einer breiten Öffentlichkeit unerkannt, trotzdem Millionen Follower haben und bildnerische Hypes auslösen können. Immer vielfältiger, immer zufälliger, aber auch immer unüberschaubarer scheinen die Erklärmuster für aktuelle Erfolge.[4]
Wo Schatten ist, ist aber eben auch Licht: Waren einst die wenigen großen Namen die „Künstler“, die darüber entschieden, ob etwas überhaupt ausgestellt, gedruckt und veröffentlicht wird, so geht diese Rolle wie jene der Kreativen schrittweise und immer stärker auf die Gemeinschaft über. Diese kann ihr Potential aber eigenständiger, mündiger und bewusster entfalten, wenn sie im Sinne echter Bildung die Sprache der Bilder gelernt hat. Derzeit bleiben diese Möglichkeiten ungenutzt und die Gemeinschaft ist gleichsam einem Analphabeten der Manipulation und dem Betrug ausgeliefert: Frei nach dem Motto: „Wer nicht sieht, muss alles glauben“.
[2] Angelika Jung: betreibt das Institut für visuelle Bildung in den USA; Visual Thinking Stategies (VTS)
[3] Mathias Weitbrecht: Gründer von Visual Facilitators
[4] Hannes Tschürtz: Die Presse, 5. Jänner 2024
VORTEILE DES BILDLERNENS
Wenn man bedenkt, wie visuell orientiert wir als Menschen sind, ist es nicht verwunderlich, dass Bilder einen so starken Einfluss auf uns haben. Untersuchungen zeigen, dass es eine breite Palette von Vorteilen gibt, die sich aus einer verbesserten visuellen Kompetenz ergeben, darunter:
Gottfried Helnwein "Selbstporträt"
Gottfried Helnwein "Selbstporträt"
Bilder
sind einprägsamer
© Karl Turner
© Karl Turner
Bilder
sprechen schneller
© Kim Kadashian; Instagram
© Kim Kadashian; Instagram
Bilder
sagen mehr
Bildquelle: dpa/Sina Schuldt
Bildquelle: dpa/Sina Schuldt
Bilder
vermitteln Erkenntnis
Bilder
erhöhen den Genuss
Bilder bringen
mehr Begeisterung
Bilder bringen mehr gebildete Bildleser
Bilder bringen
mehr Zukunft
Eine der effektivsten Möglichkeiten, Informationen zu fördern, um diesen wichtigen Sprung vom begrenzten Kurzzeitgedächtnis zum leistungsstärkeren Langzeitgedächtnis zu machen, besteht darin, Text mit Bildern zu koppeln. Studien zeigen, dass wir etwa 10-20% der schriftlichen oder gesprochenen Informationen behalten, aber etwa 65% der Informationen, wenn sie visuell dargestellt werden.
Die Behaltensleistung steigert sich auf bis zu 90 %, wenn die Schüler diese Darstellungen auch selbst gefertigt haben.[5]
[5] Dirk und Christiane Konnertz: Lernstoff mit Bildern besser verstehen und behalten (elternwissen.com)
Bilder werden kognitiv schneller verarbeitet als geschriebener Text, so dass Bedeutung schnell und effektiv durch Bilder vermittelt werden kann.
Visuell dargestellte Informationen werden vom Gehirn extrem schnell verarbeitet. Wir lesen NICHT Text 60.000 x schneller als Text! Das Gehirn ist sogar in der Lage, Bilder zu sehen, die für nur 13 Millisekunden erscheinen. Rund 90% der an das Gehirn übertragenen Informationen sind visueller Natur.[6]
Hinzu kommt der Aspekt, dass das menschliche Gehirn sich an Bilder besser erinnert als an Text, diesen Effekt nennt man „Pictorial superiority effect“[7]. Dadurch, dass Bilder in der Aufnahmegeschwindigkeit dem Text weit überlegen sind, spricht man von der unmittelbaren „Macht der Bilder“, welche sich durch eine höhere Direktheit auszeichnet.
[6] Kommunikation ist visuell im 21. Jahrhundert | HIRSCHTEC. https://hirschtec.eu/kommunikation-im-21-jahrhundert-ist-visuell/.
[7] The picture superiority effect in recognition memory: A developmental study using the response signal procedure - ScienceDirect 23.02.2024
Bilder sprechen nicht in Worten!
Bilder haben einen multisensualen Zugang im Gehirn, der auf verschiedenen Ebenen den Menschen erreicht und somit attraktiver, leichter rezipierbar und motivierender für den Schüler ist. Bildlernen ist multimodal (parallele Nutzung von unterschiedlichen Sinneskanälen zur Übermittlung von Infos), umfasst viele Disziplinen, ist interdisziplinär, wechselwirksam und eine universelle Sprache. Bildlernen bringt Sinne simultan zusammen und packt unsere Emotionen dazu.[8] „Bilder sind sexy!“
Traditionell denken wir, dass das Lehren von Alphabetisierung die Zwei-Wege-Straße des Lesens und Schreibens ist. Wir können uns visuelle Kompetenz als ähnliche Prozesse der Interpretation von Bildern, Kommunikation mit Bildern und der Schaffung von Bildern vorstellen. In einer schnelllebigen Welt mit ständig zunehmender Diagnose von Aufmerksamkeitsdefizitstörungen verlassen wir uns zunehmend auf Bilder, um schnell Bedeutung zu vermitteln.
Im digitalen Zeitalter, in dem die Menschen einer schier unüberschaubaren Informationsflut ausgesetzt sind und die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen bereits von 12 auf acht Sekunden gesunken ist, sollte das enorme Potenzial, das in Bildern steckt, unbedingt genutzt werden.[9]/[10] Darüber hinaus können Bilder schneller, einfacher, anschaulicher, ganzheitlicher, assoziativer und vor allem nachhaltiger erfasst werden.
[8] Stangl, W. (2020): Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. https://lexikon.stangl.eu/15357/visual-literacy/ (2020-04-12)
[9] Informationsüberflutung: Das Zuviel an Werbung - IONOS
[10] Elmas Gül (2019): Kommunikation ist visuell im 21. Jahrhundert | HIRSCHTEC
Wir verstehen früher die Bildsprache, bevor wir die gedruckte Textsprache verstehen. Das Visuelle wird vor dem Verbalem gelernt! Und dennoch steht am Anfang aller Schrift das Bild.
Das wirklich effiziente und nachhaltige System der Erkenntnis ist kein linear einschichtiges Erfassen von linguistisch extrahierten Aspekten, sondern basiert auf vielschichtigen sensualen Informationen und Wechselwirkungen, die in ihrer Komplexität hauptsächlich im visuellen Bereich erfasst, transformiert und lösungsorientiert angewendet werden kann. Die heutige Wissenschaft geht mehr und mehr von komplexen Systemen aus, die mehrschichtig über verschiedene Kanäle wirken. Die reduzierte einschichtige Nutzung der textorientierten Komponente greift viel zu kurz. Gerade die Bildmedien der Gegenwart und vorallem der Zukunft nützen das Wechselspiel zwischen Bild, Text, Akustik, Haptik um ganzheitliche, nachhaltige und entsprechend wirksame Erkenntnisse zu gewinnen.
Während Bilder isoliert verwendet werden können, begleiten sie oft Text oder Audio. Bilder können das Verständnis der Schüler für einen Text oder andere Medien erheblich bereichern. Um mit diesen tieferen Bedeutungsebenen interagieren zu können, müssen die Schüler über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, um auf diese Tiefen zuzugreifen.
Vor allem das Bild kann die Vielschichtigkeit der Wirklichkeit erfassen. Wir erinnern uns in Bildern, wir träumen in Bildern. Wir halten unser Wissen, unsere Erfahrung, unsere Werthaltungen, unsere Begegnungen in Bildern fest. Das ist ein Augenblick- ein Blick in uns hinein.[11] Sprache bringt nur allgemeine Ausschnitte.
Bild entspricht der modernen systemischen Auffassung von Erkenntnis:
Gerade die heutige Wissenschaft macht immer klarer, dass Bildmedien dem komplexen System der Erkenntnis mit seinen vielschichtigen Wechselwirkungen wesentlich besser und nachhaltiger gerecht werden als die frühere Doktrin der textlich basierten Weitergabe von Information und Lernen.
"Manchmal, wenn man zu tief blickt, führt einem die Sprache nicht!" [12]
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt" [13]
[11] Gehirnforscher Ernst Pöppel: Home of the Personal Publication Platform - Prof. Ernst Pöppel (ernst-poeppel.com)
[12] Hans Dietrich Genscher
[13] Ludwig Wittgenstein
Die zunehmende visuelle Kompetenz bereichert nicht nur das Verständnis unserer Schüler für die von ihnen genutzten Medien, sondern kann auch ihren Genuss bereichern - vor allem deshalb, weil hier ein sensorisches Medium wirksam ist, dass unmittelbar berührt. Im Gehirn werden auch mehr Regionen angeregt. So wird der Mensch direkter und ganzheitlicher angesprochen als im textbasierten Lernen. Gerade auch Bilder können hier eindrucksvolle Beiträge des Genusses leisten.
Wenn die Schüler jedoch ein tieferes Verständnis der "Erkenntnis" hinter den Bildern haben oder mit dem Kontext rund um Bilder vertraut sind, Einblicke in die Wirkung haben oder selbst in der Gestaltung erfahren sind, entnehmen die Schüler oft mehr Freude und Lust als an sinnesleeren Arbeiten.
Dasselbe gilt für ihr Engagement in Bezug auf visuelle Kompetenz: Schüler sind offen für eine spannende Dimension von Form, Farbe und Textur und vieles mehr! Sie warten nur darauf, dass es kompetente Lehrer gibt, die ihnen das Sehen lehren.
Gerade durch den direkten Zugang zum emotionalen Zentrum unseres Gehirnes haben Bilder ideale Voraussetzungen für wirkliches Lernen, das nur dann entsteht, wenn Emotionen treffen und wirken. Damit verbunden ist eine wesentlich bessere Merkfähigkeit. Auch schnelleres replizieren und rezipieren ist gegeben.[14]
Bei der Wahrnehmung eines Wortes reagiert lediglich das Sprachzentrum. Bei der Wahrnehmung eines Bildes hingegen wird in unterschiedlichen Hirnregionen ein neuronaler Flächenbrand aktiviert.
Bilder sind sehr eindrucksvoll, das bedeutet, dass sie eine starke emotionale Reaktion beim Betrachter hervorrufen.
[14] Bettina Schnerr: Visualisierung: Wie Bilder beim Lernen helfen | Bildungsmagazin - eduwo.ch
Bilder entwickeln in uns eine Vorstellung dessen, wie wir es sehen wollen, bringt Lösungen, Ansätze, Ideen, die vielschichtiger, unmittelbarer und schneller wirken als sinnesentleerte Schriften.
Das Bild ist eine Lösungsstrategie, die unsere Zukunft weitaus mehr beeinflusst als uns bekannt und bewusst. Jedes Bild, jeder Bildprozess erweckt in uns Vorahnungen, Scheinbilder, Vorstellungen, die aus unserem Innern kommend die Zukunft für uns voraussagen wollen. Wir visualisieren unsere Ziele, wir visualisieren unsere Einstellungen und Vorhaben, die je stärker die emotionale Besessenheit, desto stärker ist auch ihre Umsetzungskraft. Wenn wir uns die Wünsche stark genug „einbilden“, werden sie Wirklichkeit. Diese Kraft wird viel zu wenig eingesetzt.[15]
Damit nähert sich das physikalische Bild dem imaginären Bild an. Denn ein Bild ist als visuelles Phänomen ein Sinneseindruck, der letztlich im Gehirn jedes Menschen erzeugt wird. Aber das Gehirn kann auch aus sich heraus Bilder erzeugen: die imaginären Bilder. In Träumen oder Visionen können Bilder entstehen, die in der Realität nicht vorhanden sind. Die immer wahrscheinlicher werdende Verschmelzung von digitalen und neuronalen Prozessen könnte in der Zukunft eine enorme Nachfrage an imaginären Bildern auslösen. Die Herstellungsverfahren für imaginäre Bilder stecken allerdings noch in den Kinderschuhen und werden beispielsweise in medizinischen Versuchen thematisiert. Weitere wertvolle zukunftsfähige Anwendungsgebiete entstehen.[16]
Die Bildmedien bilden die dominierenden zukunftsfähigen Wissensmedien, die es zu lernen gilt:
Seit Jahrtausenden haben die Menschen in immer neuen Anwendungsformen das Bild als Wissensmedium und Kommunikationsmedium verwendet. Schon lange vor der Schrift hat es anthropologisch immanente Bedeutung gehabt, die ihm in der Schule großteils abgesprochen, verleugnet und missachtet wird. Ebensosehr wie vielfach die Strömungen der Zeit und Notwendigkeiten ignoriert und übersehen werden. Gerade die heutigen sozialen Medien, visual Turns, Bildgebenden Verfahren, Steigerung des Bildanteils in Printmedien sind ein längst überfälliger Auftrag sich mit Bild wieder ernsthaft zu beschäftigen und seine Chancen wahrzunehmen.
Futures Literacy, auch als Zukunftskompetenz bekannt, trägt diesen kritischer Ansatz gegenüber Textdominanz, Erkenntnisdominanz aus Text und stellt diese in Frage. Es geht darum, unsere Vorstellungskraft zu stärken und unsere Fähigkeit zu fördern, sich auf eintretende Veränderungen vorzubereiten, sich von ihnen zu erholen und Neues zu erfinden. Die UNESCO hat Futures Literacy zur essenziellen Kompetenz des 21. Jahrhunderts erklärt.[17]
[15] Mathias Weitbrecht (2005): Besser lernen mit Visualisierung | Visual Facilitators
[16] Dr. Christa Herzog (2010): christaherzog.com
[17] Futures Literacy – THE NEW INSTITUTE
In einer Zeit von Fake News und unaufhörlicher Werbung muss ein verantwortungsvoller Umgang mit der Erziehungspflicht unserer Schüler darin bestehen, sie zu ermutigen, informierte Zuschauer der Welt um sie herum zu werden, einschließlich der Medien, mit denen sie sich beschäftigen.
Das Internet wird von KI-Bildern regelrecht überflutet. Wenigen Menschen ist es möglich, die Echtheit zu erkennen. Wahnsinn, wie leicht der Mensch als manipulatives und manipulierbares Wesen der Macht der Bilder erliegt! Die durch Algorithmen gesteuerte Technik der Bildgestaltung potenziert und erleichtert diese Möglichkeiten ungemein.
Beispiele zeigen wie einfach und hoch wirksam KI mittlerweile in der Lage ist, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und politische Botschaften zu senden. Experten erwarten sich daher auch einen massiven Anstieg entsprechender Bilder.[18]
Es ist nicht mehr die Frage, ob es Bildkompetenzschulungen braucht und mehr Bildlernen der Kinder, sondern nur, warum man damit nicht bereits vor 20 Jahren begonnen hat.
Scheinbar bedurfte es des großen Durchbruchs der KI, um zu erkennen, was die Menschen schon seit jeher hätten lernen sollen.
Deshalb ist Aufklärung, Emanzipation der Bürgern angesagt. Das Mittel ist das Bildlernen, mit dem es gelingen kann eine Alphabetisierung, ein sichtbar machen, ein Augen öffnen, ein Sehen lernen, mit den Augen verstehen lernen zu erreichen.
Durch den Unterricht der visuellen Alphabetisierung können wir den Schülern helfen, die verschiedenen Arten zu verstehen, wie die Bilder, die sie konsumieren, verwendet werden können, um ihre Emotionen zu manipulieren und sie zu überzeugen, auf eine bestimmte Weise zu handeln.
Bildlernen ist die Fähigkeit aus allem, was wir sehen eine Bedeutung zu gewinnen, zu interpretieren. Ein visuell gebildeter Mensch kann visuelle Sprache lesen und schreiben.
Wir sollten auch die Intermedialität forcieren und nützen: die unterschiedlichen Sprachen (Medien) werden kombiniert, um in einer Multi Media World gelesen werden zu können.
Es ist eine Form von kritischem Denken, die unsere intellektuelle Kapazität, intellektuelles Vermögen, geistigen Möglichkeiten erweitert, verbessert und vergrößert.
[18] Gregor Kucera: Wiener Zeitung vom 14. 4. 2023
Die Bildmedien bilden die Infrastruktur der Weltkommunikation:
Kulturbedingt werden Bilder in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich gelesen, Zeichen unterschiedlich dekodiert, grundsätzlich aber gleich wahrgenommen. So ist es überall die eigene Erfahrung, die Erwartung, die verarbeitet und neu interpretiert wird. Bild wirkt universal, grenzverbindend, wird überall verstanden. Damit ist es das Wissens- und weltumspannende Erkenntnismedium schlechthin, das keine großen Übersetzungen benötigt.
... eine Universalsprache für die ganze Welt.
... die Möglichkeit die große Veränderung unserer Kommunikation zu verstehen und daran teilzunehmen.
... an Selbstständigkeit und Mündigkeit, um die enormen Einflüsse der modernen Medienwelt samt digitaler Informationsgeneratoren (KI) kritisch zu hinterfragen und zu beurteilen.
... die Möglichkeit unseren Verstand und geistigen Kapazitäten zu erweitern.
... die Möglichkeit 90% aller Informationen, die unser Gehirn empfängt, wirklich zu nutzen.
... die Möglichkeit das Leben zu verbessern.
... die beste Vorbereitung auf unsere Zukunft
Elementare Kompetenzen:
Bildlernen bringt die Fähigkeit...
- Bilder zu schaffen (Fähigkeit zur Bildgestaltung entwickeln)
- Bilder zu lesen (Ausdruck, Inhalt und Form von Bildern verstehen)
- Neue Ideen zu bestimmten Anforderungen zu kreieren
- Botschaften auszudrücken (mit Bildern zu kommunizieren)
Heute lehren uns Bildungssysteme Text Sprachen (Buchstaben und Ziffern) und Computer Sprache (Programmieren). Aber negiert sensorische Sprachen als Kernkompetenz, als Schlüsselkompetenz und wesentlichen Lehrplaninhalt. Der dominante Sinn, der meistgebrauchte Sinn wird negiert. Es ist der visuelle Sinn. Sehen lernen ist der Schlüssel für sensorische Sprache. Wir müssen sie lehren!
Die zunehmend bedeutsame Position, die professionelle visuelle Gestaltung im modernen Alltag der Wissenschaft, Medien- und Bilderwelt einnehmen, steht in auffallendem Gegensatz zur geringen Aufmerksamkeit, die ihnen seitens der Bildungsinstitutionen bisher zukommt. Dabei ist ihnen auf Grund ihres Wissens über die Funktionsweise der „Sprache der Bilder“- ein Wissen und Können, das sie zum zielgerichteten Einsatz im Sinne modernen Lösungen nutzen- eine ähnlich wesentliche Rolle im Rahmen der Bildung und moderner Kulturtechniken einzuräumen wie ihren Kollegen vom Wort-Lernen.
Aus der Wichtigkeit, die der visuellen Kommunikation in modernen Gesellschaften zukommt, ergibt sich, dass “Sprachkompetenz“ durch „Bildkompetenz“ ergänzt werden muss. (Wolf)[20]
Wir sollten unsere größten Gaben, die die Menschen haben so viel wie möglich nützen! Dazu gehört das Visuelle besonders! Wieso nützen wir diese Gabe, diese Möglichkeit kaum?
Unsere Augen sind ein wesentlicher Teil unseres Verstandes, den wir nützen sollten. Wenn wir nicht sehen lernen, werden wir auch nichts verstehen! Wir müssen sehen lernen =Schule des Sehens (muss die Schule des reinen Textlesens ablösen)
Deshalb müssen wir raus gehen und sehen lernen! Wir müssen diese visuellen Kapazitäten nützen, damit wir auch die wirklichen Möglichkeiten der Digitalisierung verstehen.
[20] Sprache und Medienbilder (Dr. Claudia Maria Wolf)
Karl Josef Stegh
Bildexperte und Bürgermeister a.D.
Behamberg
2025
Der in diesem Text aus Gründen der leichteren Lesbarkeit gewählte Verzicht
auf angehängte „Innen“ und dergleichen soll keine Geschlechterdiskriminierung
oder eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes
zum Ausdruck bringen.